Aufklärung 2.0 am Beispiel des Klimawandels

von Dr. Günter Dedié



wolfgang.kaiser@bfa-verein.de
Dr. Günter Dedié

Angesichts der zunehmenden Herrschaft quasi-religiöser Ideologien in den westlichen Staaten und besonders ausgeprägt in der Bundesrepublik, ist eine „zweite Welle“ der Aufklärung dringend notwendig.


Dafür ist das Beispiel des Klimawandels sehr gut geeignet. Das Ziel der Aufklärung war, religiösen Glauben durch empirisches Wissen zu ersetzen, damit die Bürger mündig werden können.


In den westlichen Gesellschaften haben sich aber in den letzten Jahrzehnten mehrere neue quasi-religiöse Ideologien etabliert, die wieder auf „Glauben statt Wissen“ beruhen, z.B. die Euro-Schuldenwirtschaft, die Klimahysterie, die Massenmigration und die Corona-Hysterie.


Die Aufklärung ist durch die Unterrichtung und Verbreitung von gültigem Wissen statt religiösem Glauben und quasi-religiösen Ideologien gekennzeichnet. Wegen der wachsenden Dominanz von neuen Ideologien ist eine neue, zweite Aufklärung dringend notwendig. Sie muss das gültige Wissen zur Pflicht machen und den Glauben an Ideologien verdrängen.


Eine grundsätzliche Frage ist dabei: Wie kann man gültiges Wissen von ideologisch manipuliertem Wissen unterscheiden?

Die Antwort dazu lautet wie folgt: Bei demokratischen Entscheidungen geht es um die Mehrheit von Meinungen. Ob eine subjektive Meinung wie „Grün ist die schönste Farbe“ oder eine objektivierbare Aussage wie „2 + 2 = 4“ falsch oder richtig ist, kann aber nicht demokratisch entschieden, sondern muss verifiziert werden. Auch die Behauptung, dass „90 Prozent der Experten“ einer bestimmten Meinung sind, sagt wenig darüber aus, ob diese anonyme Mehrheitsmeinung wissenschaftlich falsch oder richtig ist.


Ein bekanntes historisches Beispiel für eine Mehrheitsmeinung war die Hypothese vom Äther, der den Weltraum erfüllen und der Träger der elektromagnetischen Wellen sein sollte, so wie die Luft der Träger der Schallwellen ist. Im 19. Jahrhundert haben die meisten Naturwissenschaftler an den Äther geglaubt.


Trotzdem war diese Hypothese falsch, wie Albert Einstein 1905 mit einem einzigen Gegenbeispiel, der Speziellen Relativitätstheorie, gezeigt hat. An diesem Beispiel sieht man auch, dass die Prominenz oder der Titel eines Forschers keine Rolle spielen, denn Einstein war damals nur „technischer Experte 3. Klasse“ beim Schweizer Patentamt in Bern. Aber noch 1931 erschien das Buch »100 Autoren gegen Einstein«, in dem die Verfasser darlegten, warum Einsteins Relativitätstheorie unglaubwürdig und unlogisch sei. Einsteins soll dazu nur gesagt haben: "Wieso 100? Einer hätte genügt".


Der Klimawandel ist ein gutes Beispiel für die enorme Bedeutung der Aufklärung, weil die Möglichkeit der Klimakatstrophe durch CO2 von einer einzigen Zahl abhängt, der Klimasensitivität des CO2. Gibt es auch in diesem Fall ein Gegenargument wie im Fall des Äthers? Die Klimasensitivität ist definiert als Erhöhung der mittleren Temperatur der Erdoberfläche bei der Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre, aktuell von 400 ppm auf 800 ppm.


Der Glaube an die Klimakatastrophe wurde ausgelöst durch den raschen Anstieg des CO2-Gehalts der Atmosphäre ab 1950 von 280 auf 410 ppm. Das würde die Zukunft der Welt gefährden, sagten “90 Prozent der Experten“. Der sachliche Grund dafür war aber, dass erste fehlerhafte Klimamodelle vor 20 – 30 Jahren eine Klimasensitivität des CO2 von 4 – 6 ° C ergeben hatten, und damit die Gesellschaft konditioniert wurde. Auf diesen Zug sind viele Katastrophen-Profiteure aus Politik und Wirtschaft aufgesprungen. Da man wegen des drohenden Weltuntergangs keine Zeit mehr zu haben glaubte, wurde eine hektische Energiewende, Zertifikate und Steuern für CO2-Emissionen uva. beschlossen. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Klimasensitivität nur ca. 1 °C beträgt.


Begründung: Den primären Einfluss auf das Erdklima hat die Sonne. Ändert sich ihre Energieausstrahlung, so ändert sich die Temperatur auf der Erde. Ein Beispiel dafür sind die Veränderungen des Klimas nach der letzten Eiszeit bei relativ konstantem CO2-Level und die Erwärmung um ca. 1 °C nach der Kleinen Eiszeit von 1850 bis 1950. In der Atmosphäre wirken die Treibhausgase H2O, CO2 usw. als Wärmedämmung für die Erde. Die Temperatur der Erdoberfläche stellt sich so ein, dass die Einstrahlung von der Sonne und die Abstrahlung der Erde im Gleichgewicht und gleich groß sind.


Von 1950 bis in die Gegenwart ist der CO2-Gehalt durch das von der Menschheit erzeugten CO2 sehr schnell auf ca. 410 ppm angestiegen. Die Wärmedämmung durch CO2 und damit auch die mittlere Erdtemperatur wächst aber nicht proportional mit dem Gehalt des CO2, sondern sehr viel langsamer. Diese abnehmende Wirkung einer Wärmedämmung kann man durch einen Vergleich mit der Wärmedämmung von Gebäuden veranschaulichen: Die Wärmeverluste halbieren sich bekanntlich mit jeder Verdoppelung der Wärmedämmung, da die Wirkung der zusätzlichen Wärmedämmung umso geringer ist, je besser die Dämmung insgesamt ist.


Treibhauswirkung des CO2: eigene Grafik nach https://edmhdotme.wordpress.com/2014/09/page/1/



Man erkennt daran folgendes:

· Die ersten 100 ppm CO2 machen bereits 67% der Treibhauswirkung des CO2 aus.

· Mit dem CO2-Gehalt von 410 ppm werden bereits ca. 87% der maximal möglichen Treibhauswirkung durch CO2 ausgeschöpft.

· Die Klimasensitivität des CO2 beträgt ca. 1 °C. Das kann man aus dem Diagramm und dem „natürlichen“ Treibhausbeitrag des CO2 1950 berechnen (26% des gesamten Treibhauseffekts von 34 °C)

· Der Anstieg des CO2 nach der kleinen Eiszeit von 280 auf 410 ppm hat die Welttemperatur um etwa 1°C erhöht.

· Ein weiterer Anstieg des CO2-Gehalts auf bis zu 1000 ppm und mehr kann nur noch eine Erhöhung der Temperatur von ca. 1,3 °C bewirken. (Erst oberhalb von 3000 ppm ist diese Art der Berechnung der Treibhauswirkung des CO2 nicht mehr anwendbar).


Auch aus der Strahlungsbilanz in der Atmosphäre ergibt sich die Klimasensitivität des CO2 zu ca. 1°C (Professor Will Happer, Princeton, Deutscher Bundestag, Ausschussdrucksache 19(16)589-J vom 21.6.2021).


Wegen dieser relativ geringen zukünftigen Temperaturerhöhung durch CO2 spielen verstärkende oder abschwächende Rückkopplungen wie die von CO2 mit Wasserdampf, Wolken und Eis nur eine geringe Rolle und die sog. Kipppunkte des Klimasystems werden nicht erreicht.


Begründung: Die Baumgrenze fossiler Bäume, die immer wieder mal von den abschmelzenden Alpengletschern freigelegt werden, zeigen, dass es bspw. in der römischen Warmzeit noch um ca. 1° C wärmer war als in der Gegenwart. Das Klima ist damals trotzdem nicht "gekippt".


Mit der Untersuchung der Jahresringe dieser bis zu 10 000 Jahre alten fossilen Baumreste wurde inzwischen festgestellt, dass es in den Jahrtausenden seit der letzten Eiszeit um bis zu 1,8° wärmer war als heute (Christian Schlüchter, 2021). Die Baumgrenze lag um bis zu 300 m höher. Die Kleine Eiszeit war übrigens die kälteste Zeit nach der letzten (großen) Eiszeit vor 10 000 Jahren. Die Gletscher hatten 1850 ihre größte Ausdehnung seit dem Ende der letzten Eiszeit. Das war nicht nur in den Alpen so, sondern wurde auch mit Funden in Kanada und der Antarktis bestätigt.


Ergebnis: Es zeigt sich, dass die Klimasensitivität der frühen Klimamodellierungen, die zum Narrativ der Klimakatastrophe durch CO2 geführt haben, falsch war: Die Klimasensitivität des CO2 beträgt offenbar nicht 4 - 6 °C, sondern nur ca. 1 °C. Bezogen auf das von den Menschen freigesetzte CO2 wird das Pariser Klimaziel deshalb bereits durch die Physik der Wärmeleitung in der Atmosphäre gewährleistet. Wenn das nicht konsequent verschwiegen würde, wären weitere nutzlose Diskussion über „katastrophale“ Klimafolgen und die gesamte Hektik der Energiewende sowie andere monströse staatliche Maßnahmen zur Vermeidung der „Klimakatastrophe“ unnötig, weil es aufgrund des Anstiegs des CO2 keine Klimakatastrophe geben wird.




Anmerkung:

Der Artikel ist eine Expertise des Autors, die nicht zwingend in jeglicher Hinsicht, aber in seiner Breite durch den BFA getragen wird. Er fließt in die Arbeit des Vereins maßgeblich ein. Das Verwenden des Expertisentextes, auch auszugsweise, ist aus urheberrechtlichen Gründen nur mit Quellenangabe und Hinweis auf den Autor zulässig.



(BFA - 07.05.2022)












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