Der Koalitionsvertrag der Ampel - eine erste Bewertung. Teil 2: Klima, Energie, Transformation

Von Martin Wienert, Sprecher des Fachbereiches Klima, Energie, Umwelt des

Politischen Beirates des BFA – 5. Dezember 2021


Drei Aussagen fallen deutlich ins Auge und machen den Unterschied in der Energiepolitik zu anderen Ländern, insbesondere aber zu den europäischen Staaten, deutlich:


1. Es steht ein massiver Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien bevor. Dabei möchte man technologieoffen vorgehen und einen verlässlichen und kosteneffizienten Weg finden.

Unter erneuerbare Energien fallen vor allem Wind- und Solarenergie. Das wird in Zukunft erhebliche Probleme bei der Versorgungssicherheit unseres Landes schaffen, da man sich von Zufallsenergieerzeugern abhängig macht. Das bis zum heutigen Tag nicht gelöste Problem der dauerhaften Energiespeicherung von Wind- und Solarstrom wird nicht angesprochen. Damit ignoriert man Folgeprobleme.

Wie will man denn die für die Heizung von Häusern hochgelobten Wärmepumpen mit Solarstrom betreiben, wenn im Winter wegen einer Dunkelflaute die Sonne nur kurz oder gar nicht scheint, und sich die Windräder nicht drehen?


2. Die oben genannte Technologieoffenheit gilt aus rot-gelb-grüner Sicht natürlich nicht für die Nutzung der Kernenergie. Am deutschen Atomausstieg wird weiter festgehalten, ungeachtet der signifikanten Weiterentwicklung, die die Technologie in den letzten Jahren erfahren hat (Stichwort Flüssigsalz-Reaktoren / Dual-Fluid-Reaktoren). Damit wird die Möglichkeit einer CO2-freien und verlässlichen Energieerzeugung mit einem Energieträger höchster Energiedichte (ein Kilogramm Uran 235 hat den gleichen Energieinhalt wie drei Mio. Tonnen Steinkohle) von jeder gesellschaftlichen Diskussion ausgeschlossen. I

n Deutschland wird Kernenergie seit Auftreten der Grünen verteufelt. Besonderen Anteil in der gezielten Verunsicherung der Bevölkerung haben hierbei die Medien, besonders auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk. In unseren europäischen Nachbarländern sehen die Menschen die Kernkraft zumeist deutlich positiver.

Während in Deutschland eine sichere und erprobte Technologie vom Netz genommen wird und eine ursprünglich genehmigte Laufzeitverlängerung sogar erstattungspflichtig zurückgenommen wird, bauen unsere Nachbarn neue Atomkraftwerke. Dass französische Atomkraftwerke inzwischen im grünen Baden-Württemberg die Versorgungssicherheit garantieren, ist symptomatisch für die Schizophrenie und Verlogenheit grüner Energiepolitik.


3. Das höchstproblematische Thema der Synchronisierung von Stromangebot und Stromnachfrage, bzw. Stromspeicherung betrachten die Pläne der Ampel kaum.

Als Lösungsmöglichkeit soll die Produktion von Wasserstoff dienen. Dazu soll die Infrastruktur für eine komplette Wasserstoffwirtschaft geschaffen werden. Die Speicherverluste dieser Lösung, wenn sie denn überhaupt realisierbar ist, werden immens sein. Schon bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff kommt es zu erheblichen Verlusten. Aus der von zehn Windrädern produzierten Energie geht über die Hälfte durch Umwandlungsverluste verloren. Wird das Gas anschließend in einem Motor verbrannt, gehen dann noch einmal zwei Drittel aufgrund des Motorwirkungsgrades verloren. Weitere Umwandlungs- und Übertragungsverluste kommen hinzu.


Defizite in der Stromproduktion durch fehlenden Wind oder Sonne sollen in Zukunft durch noch zu bauende Gaskraftwerke aufgefangen werden. Im Klartext bedeutet dies, dass für jede Kilowattstunde, die durch regenerative Energien erzeugt wird, eine entsprechende Back-Up-Kapazität durch diese Gaskraftwerke vorhanden sein muss.

Die vorhandenen und teilweise sehr modernen Kohlekraftwerke sollen ja vom Netz genommen werden. Das wird zusammen mit dem massiven Ausbau von regenerativen Energieträgern immense Kosten zur Folge haben, die letztlich die Verbraucher tragen müssen.


Um die genannten Vorhaben umzusetzen, sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren erheblich beschleunigt werden.

Im Klartext kann dies nur bedeuten, dass Einspruchs- und Widerspruchsmöglichkeiten der Bürger erheblich beschnitten werden und zudem eine „Neubewertung“ des Arten- und Naturschutzrechtes geschaffen wird. Damit dürften gerade die Grünen ihren Nimbus als „Naturschutzpartei“ verspielt haben. Künftig wird es dann keine Rolle mehr spielen, ob der Schwarzstorch in einem noch intakten Waldgebiet brütet oder Fledermäusen im Sog der Wirbelschleppe der Windpropeller die Lungen platzen. Diese Kreaturen werden der Klimaneutralität geopfert.


Auch die Energieerzeugung mittels Bio-Masse soll eine neue Zukunft haben. Grundsätzlich sind aber die Anbauflächen in Deutschland begrenzt. Sollte diese Biomasseerzeugung wieder auf den massiven Anbau von Mais hinauslaufen, müssen im Gegenzug Futtermittel (Soja) importiert werden - mit entsprechenden Verdrängungseffekten, denn auch damit verlagern wir letztlich unser Problem der Energieerzeugung auf andere Staaten. Einseitiger Maisanbau laugt im Übrigen die Böden aus.


Akzeptanz für die Ampel-Pläne soll durch Stärkung einer nicht näher beschriebenen Bürger-Energie geschaffen werden, was ja auch kein neuer Gedanke ist. Gerade die Windkraft ist eine sehr unsoziale Energieform. Profiteure sind kapitalkräftige Investoren und Grundeigentümer. Dem Großteil der Bevölkerung dagegen bleiben nur höhere Strompreise. Es ist zu befürchten, dass sich an dieser Schieflage auch in Zukunft nichts ändern wird.

Alles in allem bleibt es bei vielen Zielvorgaben (zum Beispiel Erzeugung von 50% der Wärme bis 2030 klimaneutral). Konkrete Aussagen, wie die Ziele erreicht werden sollen, fehlen.


Die mit großem Aufwand zu bauenden Gaskraftwerke sollen nur für eine Übergangszeit bestehen, bzw. mit Wasserstoff oder Methan weiterbetrieben werden, bis die Versorgungssicherheit durch erneuerbare Energien gewährleistet ist. Bei dem technischen Stand der Dinge ist schon jetzt abzusehen, dass diese Versorgungssicherheit niemals erreicht werden wird, schon gar nicht für eine Industrienation wie Deutschland.


Strom- und auch Wasserstoffnetze werden als das Rückgrat des Energiesystems der Zukunft gepriesen. Dazu muss aber erst einmal eine leistungsfähige Wasserstoff-Wirtschaft aus dem Boden gestampft werden. Dabei ist zu beachten, dass der Wirkungsgrad zur Wasserstoffproduktion nicht sehr groß ist und bei gerade einmal 43% liegt. Das Wasserstoffatom ist zudem das kleinste Atom im Periodensystem der Elemente und deshalb sehr flüchtig und schwer zu speichern. Eine Methanisierung macht deshalb Sinn, wodurch der Wirkungsgrad dann auf 39% sinkt. Bei der weiteren Nutzung kommt es, wie schon erwähnt, zu weiteren Verlusten.


Letztlich ist diese uns durch die Grünen aufgenötigte energetische Transformation ein Experiment mit unabsehbaren Konsequenzen:

  • Gefährdung der Versorgungssicherheit

  • Explosion der Energiepreise

  • Industrieexodus

  • Schwere Umweltbelastungen und

  • Existenzielle Abhängigkeit vom Ausland

Bei aller anerkannten Notwendigkeit, etwas gegen den menschengemachten Klimawandel zu tun - aus Sicht des BFA kann man nur ein Fazit ziehen:


Die Klimapolitik der Ampel gefährdet unseren Wohlstand und gesellschaftlichen Frieden. Und ihre nachhaltige Wirkung für den globalen Klimaschutz ist höchst zweifelhaft.


Ideologie und Wunschdenken ersetzen keine physikalischen und wirtschaftlichen Fakten!

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