Innovation, Wissenschaft, Hochschule und Forschung unter einer Ampelregierung

Von Dr. Günter Dedié

Sprecher des Fachbereiches Gesellschaft, Forschung und Wissenschaft des

Politischen Beirates des BFA – 28. Dezember 2021


Ein äußerst kritischer Punkt, der im Koalitionsvertrag der Ampelregierung nicht angesprochen wird, ist die fehlende Unabhängigkeit und die sinkende Qualität der Forschung: Die freie, von den Hochschullehrern selbst bestimmte wissenschaftlichen Forschung war in der Vergangenheit ein wichtiger Erfolgsfaktor Deutschlands und eine Bastion objektiver Erkenntnisse.


In den letzten Jahrzehnten wird die Forschung und die Besetzung der Lehrstühle zunehmend fremdgesteuert, insbesondere durch die Deutsche Forschungsgesellschaft und die von ihr zugeteilten 2,5 Mrd. Euro Forschungsgelder. Die DFG und ihre Vergabepraxis wird schon lange als intransparent und für die Selbstbegünstigung der Forschungshierarchen anfällig kritisiert: Die Leitung der DFG besteht zur Hälfte aus Politikern, die ideologisch Einfluss nehmen. Ein Beispiel dafür ist die offensichtlich völlig unangemessene Förderung des Genderismus seit fast zehn Jahren.


Auch wird der Forschungs- und Lehrbetrieb innerhalb der Hochschulen immer mehr bürokratisiert. Die Ideologisierung der Hochschulen nimmt laufend zu, insbesondere durch den Einfluss von Neo-Marxisten in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Die Qualität der wissenschaftlichen Ergebnisse nimmt dagegen ab, und der Anteil der Verifikationen von wissenschaftlichen Ergebnissen sinkt: Die Rate des Rückzugs von Veröffentlichungen ist von 1 : 100.000 im 20. Jahrhundert auf inzwischen 1 : 5.000 gestiegen. Andererseits bleibt beispielweise offen, was Geschlechtergerechtigkeit mit der Qualität des Forschungssystems zu tun haben soll.


Die – lt. Koalitionsvertrag – sechs „zentralen Zukunftsfelder“ sind gespickt mit aktuellen ideologischen Schlagworten wie Klimaneutralität, Biodiversität, Geschlechtergerechtigkeit, Digitalisierung usw. Die Auswahl ist in weiten Teilen mehr politisch und populistisch als an langfristig notwendiger Forschung orientiert.


Die Stärkung von anwendungsorientierter Forschung und ihr Transfer durch Ausgründungen für innovative Ergebnisse ist sicher zu begrüßen, die Gründung einer Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) dürfte aber mehr der bürokratischen Kontrolle und politischen Steuerung der Forschungsaktivitäten dienen. Die links-grünen Eliten weisen ja immer wieder darauf hin, dass die Ergebnisse der Forschung nur insoweit relevant sind, wie sie dem Fortschritt der Gesellschaft dienen, sprich: der Unterstützung ihrer einseitigen Ideologien. Darauf dürfte sich auch der letzte Satz beziehen: Wir werden mit Citizen Science und Bürgerwissenschaften Perspektiven aus der Zivilgesellschaft stärker in die Forschung einbeziehen. Eine solche Forderung verheißt nichts Gutes: Sie bereitet den Weg für eine weitere Ideologisierung von Forschung und Wissenschaft, um diese für links-grüne Gesellschaftsvorstellungen zu instrumentalisieren.


Sehr kritisch zu sehen ist auch Förderung des Wissenschaftsjournalismus durch eine „unabhängige“ Stiftung: Die – der links-grünen Ideologie willfährig und immer unverhohlener dienenden – Medien und ihre Vertreter im Allgemeinen (und gerade auch die Wissenschaftsjournalisten im Besonderen) werden schon länger als Filter benutzt, um die originalen, objektiven Ergebnisse und Daten der Forschung desinformativ und ideologiekonform für die Konsumenten der Medien „aufzubereiten“. Das gilt aktuell insbesondere für die Klimawandel- und Corona-Berichterstattung, wo die vermeintlichen Katastrophen aus den originalen Daten des RKI (Corona) nicht ablesbar sind, bzw. nur in der manipulierbaren Simulation nichtlinearer Klimasysteme vorkommen.


Die sich stetig verschlechternde Qualität der Artikel beim Übergang zu den journalistisch ausgebildeten Autoren hat der Verfasser dieses Kommentars bei der Zeitschrift Max-Plank-Forschung über einen Zeitraum von 20 Jahren selbst feststellen können.


Ob der Zugang zu Forschungsdaten für öffentliche und private Forschung in einem Forschungsdatennetz der Intensivierung der Forschung dient, oder zusammen mit dem wissenschaftsfreundlicheren Urheberrecht die kommerzielle Auswertung durch „Externe“ diesseits und jenseits des Atlantiks dienen soll, bleibt abzuwarten.

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